Ein Ferientag

Wer kennt ihn nicht, der klassische Ferientag, an dem man alles machen wollte und nichts hinbekommen hat, an dem man unbedingt Freunde treffen will aber es klappt nicht, an dem man produktiv sein will aber nichts hinbekommt. Man ist entweder zu spät dran, zu faul oder zu verpeilt. Oder man ist gefühlt die einzige Person, die nicht im Urlaub ist. Die Zeit vergeht, Handy, Essen, etwas netflixartiges, vielleicht auch alles zusammen oder nichts davon. Irgendwann kommt dann dieses Gefühl, man zählt die verbleibenden Ferientage, man fragt sich was man schon gemacht hat und was hier eigentlich gerade abgeht.
Warum nicht einfach mal um halb eins an einen Lieblingsort fahren?
Schlafrhythmus? Es sind Ferien… Gefahren? Was soll schon passieren… Nutzen? Mega. Warum? Warum nicht
Es ist gar nicht so schwer: anziehen, Essen, Trinken, Schlüssel und Abfahrt. Vernunftfaktor? Licht ans Fahrrad, mal bisschen legal dies das.
Die Welt draußen ist nachts eine andere. Ich liebe es nachts feiern zu gehen, um die Häuser zu ziehen wie man so schön sagt. Bars, Clubs, Hausparties, Geburtstage, das sind alles tolle Dinge, man lernt es in diesen Zeiten zu schätzen. Das ist das Nachtleben und es ist cool. Was sich außerhalb dessen abspielt, finde ich jedoch mindestens genauso interessant. Es ist eine Feinheit, die den Unterschied machen kann. Sarhad singt „Ich betäube meine Sinne, köpfe noch ’ne Jacky“ bla bla und so weiter. Ich sage mir „Ich öffne meine Sinne“. Das was Sarhad sagt, das macht fast jeder mal, einige tun es öfters, bei anderen besteht das Nachtleben daraus, das kann man machen wie man will und das ist gut so. Das, was ich sage, ist eine Angelegenheit, auf die man sich einlassen muss. Man muss sich die Frage stellen, ob man sich den Umwelteinflüssen denn öffnen will.
Die Tour, die Ursprung dieses Textes ist, ist ein gutes Beispiel, Stichwort Nachtschicht, denn gerade hat ein LKW hinter mir zum Einladen angehalten. Wenn man aufmerksam ist, fällt einem als erstes das andere Wetter bzw. die Luft auf, es ist kühler, logisch, dazu kommen häufig laue Windchen, die Luft fühlt sich beim Atmen reiner an und riecht nicht komisch, auch irgendwie logisch, Verkehr und so.
Dann die Geräusche. Es gibt sie, und gerade in der Stadt nicht wenige davon, aber dieses Grundrauschen, das man tagsüber so hat, man nimmt es kaum wahr. Stattdessen kann man das Quietschen der Straßenbahn drei Stationen weiter ausfindig machen, die Schnellstraße, die zwei Kilometer entfernt ist, vielleicht sogar das Surren von Stromkabeln. Diese Geräusche sind sonst auch da, man kann sie nur schlecht herausfiltern.
Menschliche Augen sind nun wirklich nicht optimal in der Nacht, aber man sieht trotzdem genug, um nachdenklich werden zu können. Warum sehe ich plötzlich so viele Tiere, die nicht einmal unbedingt nachtaktiv sind, warum ist der Friseursalon am Eck hell erleuchtet? Fahren immer so viele LKW herum?
Vom Turmberg sieht man, wie die Stadt lebt. Lichter gehen an und aus, Verkehr nimmt zu und wieder ab. Ich bin mir sicher, man kann am nächtlichen Lichtermeer die Uhrzeit ablesen. Drei Uhr, die BNN werden ausgeliefert, mancher Bäcker beginnt zu arbeiten. Das normale Leben, das am Tage eine Selbstverständlichkeit für die meisten ist, basiert auf diesem nächtlichen Treiben. Man bekommt es fast nicht mit. Es ist normal, es gibt viele Jobs im Schichtbetrieb oder Jobs, die nur nachts ausgeübt werden. Aber es ist hart, es ist gegen die Natur und das muss man wertschätzen.
Fünf Uhr, die Spuren des Nachtlebens werden beseitigt, die Dunkelheit vergeht, ein neuer Tag beginnt.

Die Nacht ist der Grundstein des Tages denke ich mir, beiße ins Brötchen und lese die BNN. Doch das, was wir am Tage machen, gräbt am Fundament. Nicht grundlos werden die Tiere in die Nacht zurückgedrängt. Warum muss meine bestellte Ware von Prime unbedingt am nächsten Tag da sein? Die Nacht ist für die tagaktiven Lebewesen die Zeit der Erholung und Regeneration, man sollte das im Hinterkopf behalten. Die beste Erholung sind aber die Ferien, das steht fest, und wieder kommt der Schulstart ein Stück näher.

Lucca Kahlfeld

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